KZ-Friedhof
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In der Anfangszeit des Lagers wurden verstorbene Häftlinge im Heilbronner Krematorium eingeäschert und auf dem Hauptfriedhof in einem Sammelgrab anonym bestattet. Später wurden die Toten in einer Grube nördlich des Lagers verscharrt. Vereinzelt wurden sie auch auf den Obstwiesen in der Nähe des Lagers begraben und später umgebettet.
Die genaue Zahl und die Namen aller Toten des KZs Neckargartach sind nicht bekannt. Standesamtlich eingetragen sind 191 Todesfälle, von denen 164 nachweislich auf dem KZ-Friedhof begraben wurden. Doch die Gesamtzahl der Toten war mit Sicherheit wesentlich höher.
Eine in den 1980er Jahren auf dem Friedhof angebrachte Bronzetafel enthält die 164 Namen der bekanntermaßen dort Bestatteten. Wie viele Häftlinge tatsächlich in dem Massengrab liegen, ist jedoch nicht mit Sicherheit festzustellen. Denn soweit bekannt, wurden die Toten nach Kriegsende nicht exhumiert, wie dies an manchen anderen Orten mit KZ-Massengräbern geschehen ist. Woher die Zahl 246 stammt, die auf dem 1946 errichteten Mahnmal selbst zu lesen ist, ist unklar.
Schon wenige Monate nach dem Krieg bildete sich in Neckargartach aus Vertretern der örtlichen KPD, der SPD und der Evangelischen Kirche der „KZ-Friedhofausschuss“. Bereits im November 1945 gedachten Stadt Heilbronn und KZ-Friedhofausschuss der KZ-Opfer mit einer „Trauerfeier für die rassistischen, religiösen und politischen Opfer im Dritten Reich“ und einer „Totengedenkfeier für die Opfer des Faschismus“.
Im Frühjahr beantragte er über den Heilbronner Oberbürgermeister Emil Beutinger bei der US-Militärregierung die Erlaubnis für eine Sammlung zur Errichtung eines Denkmals auf dem KZ-Friedhof oberhalb der Böllinger Straße. Hierzu reichte Walter Vielhauer, damals stellvertretender Oberbürgermeister, Unterlagen ein, die ein Foto der Anlage, damals noch mit einem Holzkreuz, vom Frühjahr 1946 zeigen. Der Bewuchs, etwa mit Magnolien im Eingangsbereich, belegt, dass die Neckargartacher Bevölkerung schon vor dem Frühjahr 1946 den Friedhof gestaltet hatte. Dies ist eine überaus frühe Form des Gedenkens an KZ-Opfer im deutschen Südwesten, wie der Historiker Marco Brenneisen recherchiert hat.
Das Denkmal selbst wurde von dem Neckargartacher Silberarbeiter Heinrich Schmutz entworfen und aus den Trümmern der in den letzten Kriegstagen von den Deutschen gesprengten Neckargartacher Brücke realisiert. Schmutz wohnte in der Wimpfener Str. 34 und war selbst Augenzeuge der täglichen Märsche der KZ-Häftlinge zu ihren Arbeitseinsätzen gewesen. Der Auftrag an ihn zur Gestaltung des Denkmals erging am 19. März 1946, gemeinsam von der Heilbronner Stadtverwaltung, vertreten durch den Neckargartacher Bürgermeister Adolf Sigloch, sowie von der “Kommission des K.-Z.-Friedhofs”, namentlich Fritz Schneider, G. Baumann, Willi Hagner, A. Geyer und Richard Heller.
Die zentrale Inschrift am Sockel lautet: „Errichtet wurde diese Grabanlage im Jahre 1946 von den Bewohnern Neckargartachs über dem Massengrab der letzten 246 Toten des Neckargartacher Konzentrationslagers.“ Rechts und links ist jeweils eine Inschrift angebracht, die sich inhaltlich unterscheiden: Während auf der rechten Seite auf Deutsch „Sie starben kurz vor ihrer Befreiung“ zu lesen ist, heißt es links in kyrillischen Buchstaben: „Sie wurden zu Tode gequält in der faschistischen Gefangenschaft“. Auf der linken Seite ist das Wappen der Sowjetunion mit dem Schriftzug UdSSR abgebildet, auf der rechten Seite gruppiert um ein Kreuz die Wappen der Länder Frankreich, Polen, Italien und Deutschland – vermutlich als Hinweis auf die fünf häufigsten Herkunftsländer der Opfer.
Im Dezember 1946 wurde die Anlage feierlich eingeweiht. In den folgenden Jahren fanden jeweils im November „Pilgerfahrten“ der Überlebenden und Gedenkveranstaltungen statt, meist veranstaltet von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN).
In den 1980er Jahren wurden von der Stadt Heilbronn zwei Bronzetafeln im Eingangsbereich installiert, die eine Kurzinformation zum historischen Geschehen und eine Liste der zu diesem Zeitpunkt namentlich bekannten Opfer enthalten.








