Hubert Könen
Geboren am 31. Oktober 1911, ledig, Bäcker von Beruf, wäre Hubert Könen, wenn man seine Straftaten isoliert betrachtet, auch in einem demokratischen Rechtsstaat als Krimineller bezeichnet worden. Seine Häftlingskarte dokumentiert, dass er am 26. Januar 1944 nicht von der politischen Polizei (Sipo/Gestapo, SD), sondern von der für nichtpolitische Delikte zuständigen Kriminalpolizei Düsseldorf verhaftet und ins Lager eingewiesen wurde.
Von seinen 11 Vorstrafen werden in der Häftlingskarte und im Häftlinge-Fragebogen “Diebstahl, Betrug, Raub u. a.“ bzw. ”Diebstahl Bruch [=Einbruchdiebstahl] und Raub" aufgelistet. Im Lager erhielt er die Nummer 9388. Könen taucht am 1. Juni 1944 in einer Liste des Außenlagers Wesserling/Elsass auf, weil er für 40 Reichsmark in der Lagerkantine Zigaretten kauft. Dies entspricht bei einem Preis von 2 ½ Reichspfennig je Zigarette einer Menge von 1600 Zigaretten! Zigaretten bzw. Tabak waren in den Lagern begehrte Güter, mit denen man Essbares, aber auch verschiedene Gefälligkeiten eintauschen konnte. Voraussetzung dafür war, dass Häftlinge über Geldguthaben verfügen konnten. Am 1. April 1944, also nur rund zwei Monate nach seiner Einweisung ins Lager, betrug dies bei Könen 164,96 RM, das war der vierthöchste Betrag von 71 gelisteten Häftlingen. Möglicherweise gehörte Könen also sehr schnell schon in Wesserling zu den privilegierteren Häftlingen.
Er erfüllte eigentlich gute Voraussetzungen, um im Lager Funktionshäftling zu sein: Er war deutsch, kriminell und hatte wahrscheinlich Einfluss auf sein Umfeld. Ob er tatsächlich im System ein „Kapo“ war, ist aber nicht dokumentiert. Nach Wesserling war er als einer von wenigen Neckargartacher Häftlingen im Kurzzeit-KZ Schwindratzheim/Elsass (Junkers-Untertageverlagerung).
Könen kam wie viele Neckargartacher nach Dachau, trat aber erst wieder im Rastatter Prozess gegen den Kommandanten Gillberg als Belastungszeuge in Erscheinung.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit wohnte er in Heilbronn-Neckargartach, dann, bis 1949, in Heilbronn-Böckingen und beging wieder mehrere Delikte. Über seinen Todeszeitpunkt ist nichts bekannt.
