Josef Šprinar
Josef Šprinar wurde am 17. März 1905 in Blansko/Blanz (Südmähren) geboren. Nach achtjähriger Volksschule besuchte er von 1919 bis 1923 die Handelsakademie in Brno/Brünn, die er mit guten Leistungen abschloss. Vom 2. September 1940 bis zur Verhaftung im Januar 1943 war er Postassistent auf dem Eisenbahnpostamt auf der Strecke Bohumín – Timișoara. Er war zum Zeitpunkt der Verhaftung verheiratet und hatte ein Kind.
Während der Nazi-Besatzung war er Mitglied der konspirativen nichtkommunistischen Organisation ÚVOD (Ústřední vedení odboje domácího, dt.: Zentrale Leitung des Widerstands in der Heimat). Am 21. Januar 1943 um 5 Uhr morgens wurde er verhaftet und anschließend in Brünn in den Kaunitzer Studentenwohnheimen, die 1940 in ein berüchtigtes NS-Gefängnis umgewandelt worden waren, im Internierungslager Pod Kaštany und im Zuchthaus in der Cejl-Straße gefangen gehalten.
Ab dem 4. September 1943 war er in Breslau in Haft. Am 12. März 1944 kam er ins Konzentrationslager Dachau, gut zwei Wochen später, am 27. März 1944, wurde er ins KZ Natzweiler im Elsass überstellt, und im September 1944 kam er ins KZ Neckargartach.
Eine Enkelin berichtet im Folgenden, was Josef Šprinar ihr von der Gefangenschaft in Heilbronn erzählte:
"Ende 1944 wurde Heilbronn-Neckar bombardiert. Das Lager wurde nicht getroffen, aber fast die ganze Stadt wurde zerstört. Im Lager wurden Arbeitskommandos gebildet, um die Trümmer zu beseitigen. Mein Großvater beherrschte als Absolvent der Handelsakademie mehrere Sprachen und meldete sich daher in jedem Lager, in dem er war, für diese Arbeitskommandos, um denjenigen, die kein Deutsch konnten, zu übersetzen und für eine Weile aus dem Lager „in die normale Welt” zu gelangen. Auf dem Marsch zur Arbeit gelang es den Häftlingen manchmal, Reste der Ernte auf den Feldern zu finden (Zwiebeln, Kartoffeln), die sie sich unterwegs weiterreichten. Beim Aufräumen der Trümmer fanden sie manchmal auch etwas Essbares, was für uns heute unvorstellbar ist, zum Beispiel in einem Mülleimer weggeworfene Kartoffelschalen. Am meisten beeindruckte meinen Großvater jedoch das Aufräumen der Trümmer einer Textilfabrik. Mein Großvater weinte nicht, aber wenn er sich daran erinnerte, wurden seine Augen immer feucht. In der Fabrik arbeiteten junge Mädchen und Frauen, die alle ums Leben gekommen waren. Bei ihrer Bergung kam es vor, dass Großvater ein Bein oder eine Hand in der Hand hielt oder nur ein halber Körper aus den Trümmern ragte. Das hat ihn sehr mitgenommen, denn er hatte zu Hause eine junge Frau und eine kleine Tochter."

Josef Šprinar (1905-1994) (Foto: privat/Fotograf unbekannt)
Ab dem 1. April 1945 musste er den Hungermarsch nach Dachau mitmachen. Auf diesem überlebte Šprinar Typhus und Lungentuberkulose mit Hilfe von Kameraden. Am 29. April 1945 wurde er von der amerikanischen Armee befreit.
Aus gesundheitlichen Gründen konnte er erst am 23. Mai 1945 die Reise in seine befreite Heimat antreten. Er wurde mit dem Auto von Dachau nach Pilsen und von dort mit dem Zug nach Brünn transportiert. Zu diesem Zeitpunkt wog er nur noch 47 kg, 17 kg weniger als bei seiner Einlieferung nach Dachau.
Nach dem Krieg wurde er Direktor der städtischen Postverwaltung Brno 1. Mehrfach wurde er für seinen antifaschistischen Widerstand geehrt. Josef Šprinar starb am 3. Oktober 1994 in Brno.