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KZ-Häftlinge

Die im Herbst 1944 weit über 1000 Häftlinge im Lager „Steinbock“ waren vor allem polnischer und sowjetischer, auch italienischer und slowenischer Herkunft. Außerdem waren kleinere Gruppen von Franzosen, Deutschen, Griechen und Luxemburgern inhaftiert. Dagegen ist nur ein Tscheche namentlich bekannt. Der Wissensstand zu der von der SS pauschal als „Russen“ bezeichneten Häftlingsgruppe ist eher gering. Von ihnen war beispielsweise auch niemand als Zeuge bei den Rastatter Prozessen nach dem Krieg.

Die Häftlinge hatten im September 1944 in der Regel schon zwei, drei oder vier Lager zuvor durchlaufen. Langzeit-Insassen wie der Lagerälteste Karl Geissler waren aber die Ausnahme. Oft waren sie 1943 und vor allem 1944 zunächst über Dachau ins nationalsozialistische KZ-System geraten.

Die Einweisungsgründe sind nicht immer bekannt, doch scheinen Konflikte rund um die Zwangsarbeit eine herausragende Rolle gespielt zu haben (Arbeitsflucht, Arbeitssabotage, Arbeitsverweigerung). Daneben war der Widerstand gegen das Nazi-Regime, besonders in Slowenien, Italien und Frankreich, aber auch in Polen ein wichtiges Motiv. So kamen beispielsweise aus Lothringen kommunistische Arbeiter wie der italienischstämmige Gino Conti ins Lager. Der italienische Offizier Marco Cristofori repräsentiert die Partisanen des Friaul, Stane Uršič diejenigen Sloweniens. Eine Minderheit waren dagegen die oft deutschen Kriminellen, die jedoch im Lagerleben meist eine dominante Stellung hatten. Nach bisherigem Wissensstand waren (im Gegensatz etwa zum Lager Kochendorf) keine Juden inhaftiert.

Die Selektion durch die harten Bedingungen der vorausgegangenen Lager-Stationen, durch das schlichte Andauern einer täglichen körperlichen Überforderung bei unzureichender Versorgung und Gewalt haben wohl bewirkt, dass sich in Neckargartach überwiegend junge Häftlinge befanden. Der Häftlingsarzt Jan Górski war mit 64 Jahren der älteste Gefangene.

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