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Robert Frick, Rapportführer

"… es kann möglich sein, dass mal einer aus der Nase blutete. […] Ich habe in Heilbronn auch geschlagen..."

(SS-Unterscharführer Robert Frick 1946)

Robert Frick wurde am 15. Oktober 1918 in Gnadental/Bessarabien (heute Dolyniwka/Ukraine) geboren und war im Zivilleben Bauer. Er war etwa 1,90 m groß, fast kahlköpfig, hatte dünnes blondes Haar und O-Beine. Diese Beschreibung gab ein im März 1945 desertierter Wachmann von ihm.

Zu seinem Lebenslauf ab 1940 führte Frick am 22. Juni 1946 aus:

“Ich wurde am 15.10.1940 aus Bessarabien nach Deutschland umgesiedelt mit meinen Eltern nach Böhmen LEIPA (Sudentengau) dort kam ich am 25.11.1940 an und wurde dort am 29.11.1940 zum SS Regiment „ Der FÜHRER “ einberufen mit 120 Mann aus einem Lager, nach STRALSUND. Als ich verwundet wurde kam ich ins Lazarett nach LIZMANNSTADT (WARTHEGAU) [Łódź] und kam nach meiner Entlassung aus dem Lazarett nicht mehr an die FRONT sondern wieder nach STRALSUND zum Ers. Batl. SS „ Der FÜHRER “. Ich wurde am 30.1.1943 in STRALSUND zum USCHA [SS-Unterscharführer] befördert. Am 14.1.1944 wurde ich nach LUBLIN versetzt, wo ich dann gleich mit der Wachkompagnie am 17.1.1944 nach RADOM weg musste, dort habe ich das erste Kz. gesehen […].”

Frick war also ab 1940 Mitglied der Waffen-SS. Über die Lager Majdanek/Lublin, Radom, Tomaszów Mazowiecki und Vaihingen/Enz kam er im Sommer 1944 nach Neckargartach. Dort zählte er mit Arnold Stange, Julius Barsa, Michael Barff, Willi Bauss und Otto Lind zur engeren Lagerführung unter dem Kommandanten Johannes Gillberg. Er war Rapportführer und damit für die täglichen Appelle zuständig.

Sein Name fällt mehrfach im Zusammenhang mit Gewalttaten. So schlug er auf brutale Weise den wieder gefangen genommen Häftling Marco Cristofori wie auch zuvor schon denjenigen Italiener, dem die Flucht im Oktober 1944 misslungen war. Der Häftling Tadeusz Wastowicz sprach davon, dass Frick immer dann geholt wurde, wenn geschlagen werden sollte. Auch auf dem Hungermarsch nach Dachau war er an der Tötung eines kurzzeitig geflohenen Häftlings beteiligt. Im Rastatter Prozess nannte ein Zeuge ihn den „Teufel“.

In der Vernehmung vom Juni 1946 räumte Frick Gewaltausübung relativierend ein. Er gab dabei auch zu, einen Häftling bei einem Fluchtversuch in der Nähe von Radom erschossen zu haben. Sein „Schlagen“ bettet er in primitiver Sprache so ein:

“Ich habe in Heilbronn auch geschlagen, aber eine Peitsche war im Lager nicht zu sehen, es wurde nur mit der Hand geschlagen. Grund meines Schlagens ist: Ich habe Schuhe besorgt ohne Bezugsschein und die Häftlinge wo sie bekommen haben, die haben die Schuhe kaput [sic] geschnitten, dass sie nicht zur Arbeit müssen und da muss man wenn es im Guten nicht geht eben im Bösen anfangen.”

Frick war auf dem Hungermarsch als Wachmann dabei und zog, in Dachau angekommen, nach eigenen Angaben anschließend weiter, Richtung Süden, wo er dann von der US-Armee gefangen genommen worden sein muss.

Am 22. November 1946 lieferten die Amerikaner ihn aus ihrer Zone an Polen aus. Dort wurde er am 22. Dezember 1947 vom Bezirksgericht Radom zu 15 Jahren Gefängnis  wegen Misshandlung von Juden im KZ Radom und wegen der Zugehörigkeit zur SS verurteilt, länger als die meisten Mitangeklagten. Am 2. Mai 1956 wurde er auf Bewährung entlassen. Sein letzter Wohnort war Gerstetten im Landkreis Heidenheim.