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Günther Konietzny

“Ich fühlte mich zu schwach, um Fragen nach Majdanek zu beantworten.”

(Günther Konietzny auf Anfrage eines Journalisten in den 1970er Jahren)

Günther Konietzny wurde am 30. September 1918 in Kattowitz, damals Oberschlesien, geboren. Er war zuletzt SS-Unterscharführer. Im Lager Majdanek-Radom war er Sanitäter der Wachmannschaft. Er beteiligte sich dabei an der Selektion der Häftlinge. D. h. er entschied (mit) über Leben bzw. Zwangsarbeit und Tod. 

Seine grausame Tätigkeit im Vernichtungslager wird in den Memoiren des Häftlings Zacheusz Pawlak (Pawlak 1979; siehe auch den Dokumentarfilm, derzeit nur auf Polnisch) an vielen Stellen beschrieben, wobei das Bild eines gewalttätigen Sadisten und Mehrfachmörders entsteht:

[Bei einer Suchaktion im Lager Majdanek, November 1943]

“Einige lebende Juden wurden auf den Dachböden gefunden, einer wurde in Baracke 17 erwischt. Der SS-Offizier Konietzny, der eifrig nach Juden suchte und sie persönlich tötete, erschoß ihn sofort. Einige Tage lang sahen wir Blutflecke auf seiner Uniform.” (S. 143).

[Bei einer Visite im dortigen Krankenrevier]

“Der Blockarzt stand stramm und meldete den Bestand der Kranken und des Personals. Der SS-Unteroffizier, überwiegend war dies Konietzny, nahm die Meldung in bequemer Stellung mit nach vorn gebeugtem Kopf und ironischem Lächeln auf seinem verkniffenen Mund entgegen […]. Und auch hier genügte es […], wenn Miene oder Haltung eines Häftlings dem SS-Mann nicht gefiel, um Peitschenschläge im Gesicht, am Kopf und am Rücken abzubekommen. Konietzny hatte immer eine Peitsche bei sich. […] Er war jederzeit zum Angriff bereit. Häufig war er betrunken. […] Konietzny schlug wegen der geringsten Verfehlung, […].” (S. 102).

[Beim Ausmarsch von Häftlingen aus dem Lagertor]

“Zu meiner Rechten hatte ich Francik. Wir bemühten uns, den kleinen Jungen abzuschirmen, denn vor der Wachstube am Tor stand der SS-Offizier Konietzny. […] Als wir an Konietzny vorübergingen, sah er sich jedes Gesicht genau an. Plötzlich sagte er mit einem ironischen Lächeln: ‚Oh, Jude, Jude' und faßte mit der rechten Hand Francik am Arm. So zog er ihn aus unserer Fünfergruppe heraus. Anschließend machte er mit Persival das gleiche. Dabei drohte er uns, daß wir gemeinsam mit den Juden dorthin – er zeigte mit der Hand auf das Krematorium – kommen könnten, wenn wir sie verstecken.” (S. 139)   

Von Radom kam Konietzny im Sommer 1944 zum KZ Vaihingen/Enz, Mitte August schließlich nach Neckargartach. Zu diesem Zeitpunkt waren noch keine Häftlinge im Lager. Seine Tätigkeit in Neckargartach ist am 21. Oktober 1944 durch eine Todesmeldung beim Standesamt Heilbronn dokumentiert. Da war er noch SS-Rottenführer. Gegen Ende der Lagerexistenz kam er offenbar zur kämpfenden Truppe, denn am 30. März 1945 geriet er als Angehöriger einer SS-Panzergrenadier-Einheit bei Halbe südlich von Berlin in russische Gefangenschaft. In der UdSSR war er in Swertlowa und Irmino bis zum 6. Dezember 1949, also rund viereinhalb Jahre, in Haft.

Konietzny wohnte dann in Neckargartach zunächst in der Böckinger Straße 162. Er war mit einer Neckargartacherin verheiratet und hatte einen Sohn. Er arbeitete als Straßenbahnschaffner und galt als jovial und beliebt. Der ehemalige SS-Mann stellte 1955 einen Kriegsentschädigungsantrag, zog diesen aber wieder zurück. Es gab daher eine Irritation bei der betreffenden Behörde, denn Konietzny verdiente damals nur rund 300 Mark im Monat und verzichtete somit auf 1440 Mark. Spekulativ ist, ob er seine SS-Vergangenheit durch das Zurückziehen des Antrags im Dunkeln lassen wollte.

Beim 3. Majdanek-Prozess in Düsseldorf (1975-1981) wurde er zu Beginn als verhandlungsunfähig eingestuft. In einem weiteren Verfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart beschuldigte man Konietzny der eigenhändigen Tötung von zwei Juden auf dem Evakuierungsmarsch von Radom nach Tomaszów-Mazowiecki am zweiten Marschtag. Tatzeitraum: 26. Juli 1944 bis 29. Juli 1944. Auch dieses Verfahren wurde wie auch weitere „wegen andauernder Verhandlungsunfähigkeit“ eingestellt. Er saß nur 21 Tage in Haft. Anlässlich des Düsseldorfer Prozesses hatte ein „Stern“-Reporter bei Konietzny nachgefragt. Doch der hatte ein Gespräch verweigert: „Ich fühle mich zu schwach, um Fragen nach Majdanek zu beantworten“ (Jacobi 1981, S. 96). Sowohl in Jacobis Publikation als auch in einem späteren Artikel der Heilbronner Stimme von 1983 wird Konietznys Zugehörigkeit zur SS-Wachmannschaft im KZ Neckargartach nicht erwähnt, wohl weil sie zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt war. Dagegen nennt der Artikel verschiedene Details aus der Anklageschrift (Kempf 1983).

Konietzny starb am 10. Dezember 1984 in Heilbronn.