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Arnold Stange

„Frick war ein Schwein, ebenso der Obergefreite Arnold Stange.“

(Der Lagerälteste Karl Geissler 1952)

Arnold Stange wurde am 12. Juni 1904 in Brietzig geboren und wohnte in Genzkow/Friedland, beides Vorpommern. Er war Schlosser und schon 1929 in Partei und SA eingetreten. Man kann also vermuten, dass er zur Gruppe der ideologischen Überzeugungstäter zählte.

Als SS-Oberscharführer, 1,75 m groß und schmächtig, gehörte er zur engeren Führung des KZ Neckargartach unter Kommandant Gillberg. Nach eigenen Angaben kam er am 6. September 1944 von der Luftwaffe zur SS, nach Rastatter Prozessunterlagen geschah dies am 10. September 1944. Beim Rastatter Prozess, der für ihn im September 1949 endete, wurde er von Helga Kloninger (verh. Stödter) vertreten. Weil er Häftlinge oft und brutal geschlagen hatte, wurde er zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Prozess sagte der französische Häftling Moise Michelet aus, er habe nach einem Kolbenhieb Stanges in den Rücken 15 Tage lang gelitten. Auch auf dem Hungermarsch war Stange gewalttätig. Er schoss einem jugoslawischen Häftling in den Bauch. Bei der Rast in Pfaffenhofen um den 22. April 1944, wenige Tage vor der Ankunft in Dachau, versteckte sich ein Häftling in einem Raum der Scheune, die Häftlingen und Wachleuten als Lager diente.

“Da in der Nacht vorher ein Häftling geflüchtet war[,] so wurden uns Posten besonders hohe Strafen bei Flucht von weiteren Häftlingen angedroht. […] Ich gab aber einen dreimaligen Warnruf, ob sich jemand in dem Raum befände […]. Als sich auf meinen Warnruf keiner meldete, gab ich einen Schreckschuß in den dunklen Raum ab […]. Kurze Zeit später verständigten mich dann die Häftlinge, daß der Entwichene wieder bei ihnen und an der Hand verletzt sei. […] Mein abgegebener Schuß hatte ihn an der Bauchdecke leicht gestreift und das Hemd durchgeschlagen. Ich veranlaßte sofort, daß der Mann verbunden wurde.” (Stange an seinen Rechtsanwalt am 20.7.1947)

Der Angeschossene habe den Weg nach Dachau dann „ohne besondere Beschwerden“ mitmachen können. Nach anderen Informationen jedoch musste dieser auf einem Wagen mitgeschleppt werden.

Stange saß wie Kommandant Gillberg und SS-Sturmmann Barff im „Kriegsverbrecher-Gefängnis“ Wittlich/Mosel ein. Am 23. Januar 1950 wurde er vor dem Rastatter Gericht in einem weiteren Verfahren zu nur 4 Jahren Gefängnis verurteilt und schon am 10. Juni 1950 aus der Haft entlassen. Über Bremen zog er dann nach Berlin zu Verwandten. Unklar bleibt, weshalb es zu diesem vergleichsweise milden Urteil kam. Sein letzter Wohnort war Berlin. Er starb 1991.