Jean-Pierre Bretnacker
„Gegen Ende März 1945 dringt das Donnern der amerikanischen Geschütze näher. Hoffnungsfroh richten sich unsere Blicke nach Westen.“
Jean-Pierre Bretnacker wurde am 15. Oktober 1895 in der lothringischen Hauptstadt Metz geboren. Er nahm als Infanterie-Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Anschließend arbeitete er als Beamter bei der Eisenbahn. Er war verheiratet, hatte ein Kind und lebte mit seiner Familie in Metz.
Nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen engagierte er sich in der Résistance. Am 23. Mai 1944 wurde er deswegen verhaftet. Er verbrachte zunächst fünf Wochen im Gestapo-Gefängnis (Fort Queuleu bei Metz). Danach kam er ins KZ Natzweiler und war über zwei Monate in dessen Außenlager Markirch (Ste-Marie-aux-Mines). Dort mussten KZ-Häftlinge einen Eisenbahntunnel für die Motorenproduktion von BMW herrichten. Zusammen mit rund 600 Markircher Bau-Häftlingen wurde Bretnacker am 10. September 1944 ins KZ Neckargartach verlegt. Er verbrachte dort insgesamt 202 Tage und machte den vierwöchigen Fußmarsch (1.-27. April 1945) nach Dachau mit. Dort wurde er am 29. April 1945 von den Amerikanern befreit. (Goldschmitt (2), 1946, S. 73-75, Nr. 147)
Jean-Pierre Bretnacker arbeitete nach dem Krieg wieder bei der Eisenbahnverwaltung in Metz. Er sagte als Zeuge in Prozessen gegen den Lagerkommandanten des KZs Neckargartach, Johannes Gillberg, und einige Wachleute aus. Und er engagierte sich, um weitere Zeugen zur Aussage zu bewegen. 1949 schrieb er an den Böckinger Richard Kleinknecht: „Wenn ich an diese Zeiten zurückdenke, so frage ich mich manchmal, wie es möglich war, so etwas zu überstehen. Diese ganze Episode kommt mir manchmal wie ein böser Traum vor. Wie konnte man Menschen so tief erniedrigen, um sie zu zwingen, in einem solchen Zustand zu leben?“ (StadtA HN D100-290)
Diese Frage stellt sich auch heute noch. Wie lautet die Antwort?
